Pressemitteilung

3 Jahre Flüchtlingswohnheim Hellersdorf – Unhaltbare Zustände und Heimleitung mit Neonazivergangenheit

Pressemitteilung 01/2016

23.07.2016

Verein ‚Hellersdorf hilft‘ fordert Auflösung des Vertrags mit Betreiberfirma PeWoBe

Drei Jahre nach der Eröffnung der Unterkunft in der Maxie-Wander-Straße sind die Zustände vor Ort unhaltbar. Hellersdorf hilft e.V. fordert die Auflösung des Vertrages mit der Betreiberfirma PeWoBe.

Seit Juni 2016 gibt es in der Hellersdorfer Gemeinschaftsunterkunft der Betreiberfirma PeWoBe eine neue Heimleitung. Diese soll, wie heute öffentlich wurde, noch vor einigen Jahren für die extrem rechte Partei DVU in Bernau kandidiert haben. Mit dem Einsetzen der neuen Heimleitung verschlimmerte sich zusehends die Situation für die dort lebenden Menschen. „Bereits zuvor wendeten sich regelmäßig verzweifelte Geflüchtete an unseren Verein, die von den unhaltbaren Zuständen in der Unterkunft berichten und sich mittlerweile sogar vor der Heimleitung und den MitarbeiterInnen fürchten“ so Luisa Seydel, Pressesprecherin des Vereins Hellersdorf hilft e.V.. Das von vielen ersehnte und noch im letzten Jahr über lange Zeit erkämpfte W-LAN für alle BewohnerInnen der Unterkunft sei von der neuen Heimleiterin bereits an ihrem ersten Arbeitstag abgestellt worden. Stephan Jung, Pressesprecher des Vereins, zeigt sich ebenfalls entsetzt über die Situation: „Die BewohnerInnen berichten uns, dass sie durch MitarbeiterInnen und Heimleiterin eingeschüchtert würden und oft die Ansage bekämen ‚Ich Chef, du nichts‘. Sogar Kinder fragen uns um Hilfe“. Auch sind in den letzten Monaten ungewöhnlich viele Hausverbote ausgesprochen worden, so dass sogar Familienvätern untersagt wurde, die Unterkunft weiterhin zu betreten und die Väter so von Frau und Kindern getrennt wurden. Sämtliche seit Jahren engagierte MitarbeiterInnen und SozialarbeiterInnen mit viel Erfahrung und großer Fremdsprachenkompetenz, mit denen der Verein stets eine Zusammenarbeit gepflegt hatte, mussten gehen oder konnten dem Druck nicht mehr standhalten. Der Umgang der neuen wenigen SozialarbeiterInnen und der SozialbetreuerInnen mit den Geflüchteten sei schroff und aggressiv.

Eine Zusammenarbeit mit der Heimleitung im Sinne der Unterstützung von Geflüchteten ist für Hellersdorf hilft e.V. in dieser Situation nicht mehr möglich. „Wir fordern aufgrund der seit Monaten andauernden und sich verschlechternden katastrophalen Zustände in der Unterkunft die Auflösung des Vertrags mit der Betreiberfirma PeWoBe. Gerade private Betreiber von Unterkünften für Geflüchtete suchen in dieser Branche nur ihren größten Profit – das Wohl der geflüchteten Menschen selbst kommt da an letzter Stelle“ so Seydel.

Vor drei Jahren, am 19. August 2013 eröffnete die Unterkunft für Geflüchtete in der Maxie-Wander-Straße/ Carola-Neher-Straße und die ersten 200 von mittlerweile über 500 BewohnerInnen zogen ein. Schon damals sorgte die Unterkunft aufgrund der massiven wochenlangen Proteste von Neonazis und rechten AnwohnerInnen für große mediale Öffentlichkeit. Drei Jahre nach der Eröffnung erschrecken nun nicht mehr nur die Übergriffe und Bedrohungen gegen Geflüchtete, sondern auch die Situation um den Betreiber in der Unterkunft selbst.

„Hellersdorf hilft e.V.“ ist ein gemeinnütziger Verein und überparteilicher Zusammenschluss von Menschen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit dem Hauptanliegen, Hilfsangebote für Flüchtlinge im Bezirk zu koordinieren und gemeinsam eine Willkommenskultur im Kiez zu schaffen, die Respekt, Toleranz, zivilgesellschaftliches Engagement, Solidarität und Demokratieförderung praktisch erlebbar werden lässt. Seit Sommer 2014 betreibt der Verein gemeinsam mit Geflüchteten eine Begegnungsstätte im Kastanienboulevard, wenige Meter entfernt von der Hellersdorfer Unterkunft für Geflüchtete.

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